Vom Sterben und vom Tod – und was man bereuen könnte

Es ist eins der Themen, über die man eigentlich schweigt. Und wenn man darüber spricht, dann leise, zögerlich, kurz, oberflächlich … und etwas ängstlich.
Obwohl doch jeder Mensch, jedes Lebewesen auf diesem Planeten es am eigenen Leibe erfahren wird, was es bedeutet zu sterben. Ob früher oder später, es wird passieren.

Tod – und Trauer
Die unzähligen Meldungen über gestorbene Flüchtlinge oder über Kriegsopfer machen mich zwar traurig, aber nur weil ich mich jedes Mal erinnern muss, dass diese Menschen keine Nummer in einem Satz sind. Dass diese Menschen einen Namen, ein Leben hatten, Familie hatten. Freunde hatten. Erfahrungen, Meinungen, Talent, Wünsche, Träume hatten.
Und doch trauere ich über den Tod von Menschen, die ich kannte, anders. Selbstverständlich. Denn diese Menschen hatten für mich nicht nur einen Namen, sondern ein Gesicht was ich kannte, was ich mit diesem Namen verband, ein Lächeln vielleicht sogar ein Lachen, ein Augenblick meines Lebens, den ich mit ihnen geteilt habe.
Und auch trauere ich über den Tod von Menschen, die ich geliebt habe, anders.
Denn zu all dem Lachen und Lächeln, und zu all den unzähligen Augenblicken, kommen Geschichten und Emotionen dazu. Geschichten und Emotionen, die eine Verbundenheit festigen bzw. gefestigt haben.

Und nachdem man all diese Trauergrade erlebt hat, wünschte ich, ich hätte gewusst wie man mit Trauer eigentlich umgeht. Ich wünschte, dass man in der Gesellschaft offener über den Tod spricht.
Nicht nur im Philosophie-Unterricht in der Schule. Nicht nur mit engen Freunden nachts um 1. Nicht nur nachdem jemand gestorben ist. Dass man nicht nur mit „mein Beileid“ die Sache für gegessen ansieht. Auch wenn es ein sehr persönliches Thema für jeden ist.
Auch wenn der Betroffene vielleicht alleine gelassen werden will.
Dass klar mitgeteilt wird, dass man Gefühle zulassen sollte. Dass man nicht vortäuschen sollte, dass alles in Ordnung ist. Dass die Trauer zu unterdrücken nichts bringt, eher schadet. Dass man so lange weinen sollte bis alles raus ist, und es einem (irgendwann) besser geht, Stück für Stück.

Aber wir schweigen. Schweigen so, als würde der Tod nicht zum Menschen gehören, als würden wir Menschen ewig leben. Schweigen so, als wäre Trauer keine akzeptable Emotion, als wäre Glück die einzige Emotion, die uns Menschen auszeichnet.

Sterben – und was man daraus lernen könnte
Vor ein paar Monaten habe ich einen Artikel in der taz gelesen. Es ging um Menschen im Hospiz und was sie tun, woran sie denken, was sie bereuen im Leben (nicht) getan zu haben, da sie nun auf ihren Tod warten. Auch hatte ich einen weiteren Artikel mit einer Liste von Dingen, die ältere Menschen bereuen (nicht) getan zu haben in ihrem Leben. Klar – es gab vieles, was in beiden Artikeln erwähnt wurde.
Eigenartigerweise hatte mich das fasziniert, da ich in letzter Zeit auf viele verschiedene Arten und Weisen mit dem Tod konfrontiert wurde. Aber ich kam erst spät an den Punkt, dass ich den Spieß für mich umgedreht und mir selbst die Frage gestellt habe:
Was würde ICH bereuen, wenn ich jetzt sterbe? Was würde ich bereuen, wenn ich in 50 Jahren sterbe?

Wenn dann noch die Realisierung dazu kommt, dass das Leben niemandem garantiert ist, dass die Zeit rennt, dass man jederzeit sterben könnte – ist man verdammt ehrlich mit sich selbst.
Man will nicht mehr seine Zeit mit unnötigen Dingen oder Menschen vergeuden, da das Leben wirklich zu kurz ist.
Es ist interessant und gleichzeitig etwas erschreckend, wie viel Kraft und Mut man allein aus dem Gedanken ans Sterben und an den Tod schöpfen kann. Wie viel Ansporn es gibt, sich für sich selbst einzusetzen. Einem klar vor Augen führt, wie wichtig einem das eigene Glück und die eigenen Bedürfnisse sind. Wie viel Wert einem Familie und Freunde sind. Was die eigentlichen Werte und Prioritäten im Leben für einen sind.

Es ist erschreckend, aber gleichzeitig auch sehr befreiend. Das Wissen darum, was man vom Leben will, wo man steht, und welche Schritte man gehen sollte, um „am Ende“, egal wie früh oder wie spät es kommen mag, ohne Reue sterben zu können.

If you don’t want to die with regrets, take action.

taz Artikel: Kurz vor dem Tod: Was am Ende zählt – taz.de

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